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MarioZschiesche

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Beitrag vom 15.11.2006 15:25
Re: Der Markt löst das Armutsproblem nicht

Sandra Burger schrieb:
-------------------------------------------------------
> Geschenktipp für Weihnachten:
>
> Joseph Stiglitz: Die Chancen der Globalisierung
> Aus d. Engl. von Th. Schmid, Schmidt; Siedler
> Verlag, München 2006, 446 S., 24,95 Euro Zitat:©
>

Ach, Sie meinen, dafür ist Geld da?
Fast fünfzig Mark für ein Buch ausgeben, das die neoliberale Zeit empfiehlt? Das kann man sich doch mal in der Buchhandlung durchblättern!

Sandra Burger

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Beitrag vom 18.02.2007 16:34
Sozialer Klimawandel

DIE ZEIT über den »sozialen Klimawandel«:

DIE ZEIT, 15.02.2007 Nr. 08
Die Angst der Mittelschicht
Risiken im Job, mehr Konkurrenzdruck und neue Ungleichheit: Im Zentrum der Gesellschaft grassiert die Furcht vor dem Abstieg.
[zeus.zeit.de]

Von Thomas Fischermann

Mit müden, rot unterlaufenen Augen sitzt Robert Ernst an seinem Stammtisch in der Bar Maria, einer Kneipe in Heidelberg, die für preiswertes Bier bekannt ist und dafür, dass man es gleich aus der Flasche trinkt. Robert Ernst, 55, ist von der Arbeit hergekommen. Er trägt das orangefarbene Dienst-T-Shirt mit dem Aufdruck der Supermarktkette, in deren Filiale er morgens ab halb sechs für 5,77 Euro die Stunde putzt und abends von fünf bis acht Uhr Kisten stapelt. In der Zwischenzeit fährt Ernst den Lkw einer Wäscherei.
[...]
Der Abstieg der Familie begann schleichend. Robert Ernst erfuhr, dass man mit seinem Lebenslauf »ab 45 keine feste Stelle mehr kriegt«. Er nahm Jobs als Handlanger an, die ihm 800 Euro im Monat einbringen. Genug, solange seine Frau 1800 Euro netto im Supermarkt verdiente. Aber 2003 erkrankte Wilma Ernst und verlor die Stelle. Heute bekommt sie als Rehabilitandin Übergangsgeld von der Rentenversicherung, derzeit 1230 Euro. Im Juni wird sie auf Sozialhilfeniveau sinken, wenn sie keinen Job findet. »Ich bewerbe mich seit drei Jahren«, sagt sie.

Die Horrorvorstellung der Ernsts: dass sie die 500-Euro-Raten nicht mehr aufbringen können und ihr Haus verkaufen müssen. Dass sie zu »Abschmelzern« werden. So heißen im Jargon der Sozialarbeit Leute aus besseren Verhältnissen, die nach und nach das meiste aufbrauchen müssen, bevor sie Arbeitslosengeld II bekommen. So ist das seit der Hartz-IV-Gesetzgebung der Regierung Gerhard Schröders, für den sich das Ehepaar Ernst einst starkmachte.

Abstiegsgeschichten wie die der Familie Ernst aus Heidelberg kennt inzwischen fast jeder. [...]

Sandra Burger

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Beitrag vom 05.04.2008 23:14
"Sinn"gemäß: die neoliberale "Machtergreifung"?

Hi @ all,

Gegenstand der nachstehend verlinkten Tabelle ist bekanntlich der DIREKTE Vergleich der aktuellen Sozialpolitik mit den sozialpolitischen Maßnahmen Otto von Bismarcks:


Tabellarischer Vergleich:
»Industrielle Revolution« versus »Digitale Revolution«
[rolofs.net]

Auf der Basis der zweiten Tabelle (siehe: »Schematische Übersicht: 1. bis 3. industrielle Revolution«) lässt sich meiner Meinung nach eine Prognose darüber erstellen, in welcher Weise sich die von Politik und Wirtschaft AKTUELL gewählten "Optionen" auf die zukünftige Entwicklung unserer Demokratie auswirken werden.

3.2 SCHAUBILD: Schematische Übersicht: 1. bis 3. industrielle Revolution
THEMA: "Globalisierung und Soziale Frage" (syn.: "Soziale Frage der Dritten industriellen Revolution")
[rolofs.net]

Möglicherweise helfen uns (für eine entsprechende Prognose) die nachstehenden ZITATE aus zwei Publikationen:

Sozialrichter Dr. Jürgen Borchert: "Von Bismarck lernen"
Zukunft des Sozialstaats; Analysen und Visionen
[www.hessen.dgb.de]
QUELLE: DGB Hessen • Themen • Debatte - Sozialstaat
[...]

3. Von Bismarck lernen: Sozialreform als Chance

Im Grunde ist das alles aber nicht neu. Bei den Bismarck`schen Reformen anno 1883-89 war es genauso. Auch damals lief die herrschende Ideologie Amok, als die "Kapitalisten" für die neue Sozialversicherung in die Pflicht genommen werden sollten. Das war seinerzeit eine gewaltige Lastenumverteilung, denn der Arbeitgeberbeitrag ging bei seiner Einführung vollständig und der steuerfinanzierte Reichszuschuß von rund 40 vH der Renten zu größten Teilen zu Lasten der Unternehmer bzw. der "besitzenden Klasse". Gegen den massiven Widerstand der herrschenden Stände und der Großbourgeoisie setzten Bismarck und Wilhelm I. das für damalige Verhältnisse gewaltige Umverteilungsprogramm von oben nach unten jedoch durch. Sie hatten nicht nur begriffen, dass Existenzangst radikal macht, sondern auch, dass die neue Zeit neue Antworten brauchte: Innovation und Gerechtigkeit eben. Die Maßnahmen erwiesen sich als goldrichtig. Der soziale Friede sorgte für Kalkulationssicherheit und die breitere Verteilung der Kaufkraft wiederum führte zur Verstetigung der Nachfrage, worauf die einsetzende industrielle Massenproduktion zwingend angewiesen war. Über die steigenden Löhne kam dann ein selbsttragender Wachstumsprozeß in Gang. Am Ende der Umverteilung von oben nach unten stand schließlich der politische Emanzipationsprozeß von unten nach oben: Gleiches Wahlrecht für alle. Freiheit durch Gleichheit durch Brüderlichkeit. Daraus entstand eine "win/win" - Situation für alle. Um nichts anderes geht es heute. Um unser lebendiges Grundgesetz nämlich, das die Lehren aus der Weimarer Katastrophe zog. Damit sich das nie wiederhole.



17.03.2008
Christoph Butterwegge:
Idealer Nährboden
[www.jungewelt.de]
Vorabdruck. Die neoliberale Modernisierung des Kapitalismus als Wegbereiterin für rassistische Ausgrenzung und Standortnationalismus
[...]
Neoliberale Hegemonie als Gefahr

Wer eine bestimmte Form der Ökonomie verabsolutiert, wie das Marktradikale tun, negiert die Politik im allgemeinen und die Demokratie im besonderen, weil sie Mehrheitsentscheidungen zum Fixpunkt gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse machen und nicht das Privateigentum an Produktionsmitteln. Selbst das Grundgesetz der Bundesrepublik ist Neoliberalen ein Dorn im Auge, gilt es doch, sein Sozialstaatsgebot außer Kraft zu setzen und dem Markt nicht nur Vor-, sondern auch Verfassungsrang einzuräumen. Dabei stören demokratische Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse, die mehr Zeit in Anspruch nehmen als dezisionistische Maßnahmen, z. B. das Prinzip der Gewaltenteilung und föderale Strukturen, die Macht beschränken, sowie der Konsenszwang eines Parteienstaates nur.

Wo die permanente Umverteilung von unten nach oben mit dem Hinweis auf Globalisierungsprozesse – als für den »eigenen Wirtschaftsstandort« nützlich, ja unbedingt erforderlich – legitimiert wird, entsteht ein Diskriminierung begünstigendes Klima. Je mehr die ökonomische Konkurrenz nach neoliberalen Restrukturierungskonzepten im Rahmen der »Standortsicherung« verschärft wird, umso leichter läßt sich die kulturelle Differenz zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft politisch aufladen und als Ab- bzw. Ausgrenzungskriterium gegenüber Mitbewerbern um Arbeitsplätze sowie wohlfahrtsstaatliche Transferleistungen instrumentalisieren.

Noch in einer anderen Hinsicht weisen die Denkstrukturen des Neoliberalismus und des Rechtsextremismus signifikante Übereinstimmungen auf: Beide verabsolutieren geradezu die Höchstleistung, sei es des einzelnen Marktteilnehmers oder der »Volksgemeinschaft« insgesamt, und glorifizieren die Konkurrenz, in welcher sich der Starke gegenüber dem Schwachen durchsetzen soll. Darin wurzelt die Notwendigkeit einer (sozialen) Selektion, die mit dem Prinzip der Gleichheit bzw. Gleichwertigkeit aller Gesellschaftsmitglieder im Weltmaßstab unvereinbar ist.

Die von Neoliberalen ins Werk gesetzten Privatisierungsmaßnahmen stärken sowohl die gesellschaftliche Bedeutung wie auch den politischen Einfluß des Kapitals. »Privat heißt, daß alle zentralen Entscheidungen – jedenfalls prinzipiell – von Leuten und Gremien gefällt werden, die sich nicht öffentlich verantworten müssen.«1 Wenn deutsche Großstädte ihren kommunalen Wohnungsbestand (wie Dresden) oder ihre Stadtwerke (wie Düsseldorf) an Finanzinvestoren oder Großkonzerne verkaufen, um schuldenfrei zu werden, geben sie die Entscheidungsgewalt über das frühere Eigentum auf. Anstelle demokratisch legitimierter Stadträte, die bisher dafür zuständig waren, bestimmen nunmehr Kapitaleigner bzw. die von ihnen bestellten Manager, welche Wohnungs- bzw. Stadtentwicklungspolitik oder welche Energiepolitik gemacht wird. Somit läuft Privatisierung auf Entpolitisierung, diese wiederum auf Entdemokratisierung hinaus, weil der Bourgeois nunmehr auch jene Entscheidungen trifft, die eigentlich dem Citoyen, dem Gemeinwesen sowie seinen gewählten Repräsentanten vorbehalten bleiben sollten. Letztlich schließen sich das Prinzip »Markt« und das Prinzip »öffentliche Aufgaben in einem demokratischen Staat« wechselseitig aus. [...]

Die o. a. Texte führen zu der Frage:

Spricht Christoph Butterwegge im oben zitierten Text - "Sinn"gemäß (kleines Wortspiel unschuld in enger Anlehnung an GEORG SCHRAMM danke) - von einer (mehr oder weniger) heimlichen neoliberalen "Machtergreifung"?


Christoph Butterwegge:
Mit dem Sozialstaat stirbt die Demokratie -
Die Geschichte der Weimarer Republik als warnendes Beispiel
(PDF-Datei; 6 Seiten; ca. 22 KB)
[www.uni-koeln.de]

Unter folgender URL sind weitere Texte (im PDF-Format) abrufbar:

Auswahl von Texten
[www.uni-koeln.de]

Mit anderen Worten: steuern wir in rasantem Tempo darauf zu, dass sich die Weimarer Katastrophe wiederholt?

Herzliche Grüße:.
san.draB@web.de



4 mal bearbeitet. Zuletzt durch Sandra Burger am 05.04.08 23:54.

Sandra Burger

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Beitrag vom 06.04.2008 01:25
Georg Schramm: "An der emotionalen Pissrinne"

Als Appetizer:

Georg Schramm
Thomas Bernhard hätte geschossen
Ein Kabarett-Solo
Regie: Rainer Pause
[www.georg-schramm.de]

VIDEOS

Video Dombrowski
[www.georg-schramm.de]
“An der emotionalen Pissrinne”
ARD-Scheibenwischer | 2003
Video Sanftleben
[www.georg-schramm.de]
“Wir müssen die Rechtsradikalen nüchtern betrachten!”
aus: Mephistos Faust | 2002
Video Moderator
[www.georg-schramm.de]
aus: “Ans Eingemachte” | 1998

Video Drucker August
[www.georg-schramm.de]
“Die Wohltätigen”
aus: “Thomas Bernhard hätte geschossen” | 2006

Presse:

Pressestimmen
zu: “Thomas Bernhard hätte geschossen”
[www.georg-schramm.de]
[...]
„Die gnadenlose Schärfe des Sozialportraits liegt in seiner genau recherchierten Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit. Zynisch ist nicht der Satiriker, sondern die Gesellschaft. Er bringt nur den Alltagswahnsinn auf den logischen Punkt. Und das kann zur Zeit keiner brillanter und böser als Georg Schramm" | Abendzeitung München [...]



2 mal bearbeitet. Zuletzt durch Sandra Burger am 06.04.08 01:40.

Sandra Burger

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Beitrag vom 07.04.2008 22:08
ERRATUM (I) - mit der Bitte @ Admin um Korrektur

Hi frajo,

könntest Du bitte im folgenden Beitrag

Tabellarischer Vergleich:
»Industrielle Revolution« versus »Digitale Revolution«
[rolofs.net]

Satz 2 ändern wie folgt:

Die ersten beiden Zitate stammen aus dem Jahr 2000 bzw. dem Jahr 2001.

Anschließend bitte den Text-Eintrag "ZITAT 1" durch folgenden Text ersetzen:

ZITAT 1:
Mo 18.09.2000
Pressemitteilung Nr. 437/00 • Der Bundeskanzler teilt mit:

Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder
"Internet für alle - Schritte auf dem Weg in die Informationsgesellschaft"
[www.allgaeuyeti.de] bzw. [archiv.bundesregierung.de]

[...] Denn die Frage, wie Deutschland den Weg in die Informationsgesellschaft bewältigt, ist von fundamentaler Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes in einer globalisierten Wirtschaft. Sie entscheidet über die Lebensperspektive der Bürgerinnen und Bürger in unserem Land. [...]

Herzlichen Dank & liebe Grüße:.
san.draB@web.de

forad

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Beitrag vom 08.04.2008 07:38
Re: ERRATUM (I) - mit der Bitte @ Admin um Korrektur

ist erledigt.

ex nihilo

antiantiimperialist

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Beitrag vom 08.04.2008 07:53
Re: ERRATUM (I) - mit der Bitte @ Admin um Korrektur

ist erledigt.

na, dann kann ja ERRATUM (II) kommen ...



>anchors aweigh<

Sandra Burger

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Beitrag vom 08.04.2008 12:00
ERRATUM (II)


ex nihilo:
na, dann kann ja ERRATUM (II) kommen ...

Eine zutreffende Schlussfolgerung. chapeau

ERRATUM (II) befindet sich ebenfalls in besagtem Beitrag.

Es handelt sich dabei um folgende Nebenbemerkung:


Tabellarischer Vergleich:
»Industrielle Revolution« versus »Digitale Revolution«
[rolofs.net]
[...]
Stichwort: »Bevölkerungsexplosion«
[...] warnte Crookes [und thematisierte somit erstmals in der Geschichte das Problem "Übervölkerung der Erde"] [...]

Herzliche Grüße:.
san.draB@web.de



1 mal bearbeitet. Zuletzt durch Sandra Burger am 08.04.08 12:03.

MarioZschiesche

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Beitrag vom 08.04.2008 13:18
Re: "Sinn"gemäß: die neoliberale "Machtergreifung"?

Sandra Burger schrieb:
-------------------------------------------------------

> Mit anderen Worten: steuern wir in rasantem Tempo
> darauf zu, dass sich die Weimarer Katastrophe
> wiederholt?
>


Klar. Und das Dollste: Nur Sie wissen's!

forad

admin

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Beitrag vom 09.04.2008 00:56
Re: ERRATUM (II)

ist erledigt.

Sandra Burger

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Beitrag vom 11.04.2008 18:05
[BACKUP] Was bringt die Zukunft?

Eine - erweiterte (+ zwei Abbildungen) - Sicherheitskopie des von mir am 05. September 2001 im Forum von www.politik.de publizierten Diskussionsbeitrags.

05.09.01, 22:31
Was bringt die Zukunft?
[www.politik.de]


Deutschland im Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft

Zitat 1:
Bundeskanzler Gerhard Schröder äußerte, die Frage, wie Deutschland den Weg in die Informationsgesellschaft bewältige, entscheide über die Zukunftsfähigkeit der Republik und über die "Lebensperspektive" der Bürger.

Zitat 2:
"Eine positive Lösung der sozialen Frage stellt Bismarcks Sozialgesetzgebung dar. Bismarck erkennt das Kernproblem: Die Unsicherheit der Existenz des Arbeiters ..."
[Bruno Huhnt, Industrielle Revolution und Industriezeitalter, Seite 73, mit Hinweis auf Ausführungen von Bismarck zur Begründung seiner sozialpolitischen Gesetzgebung, Reden im Deutschen Reichstag am 15. und 20. März 1884; Hrgb.: Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung, 1966]

Zitat 3:
"Für die Sicherung der Renten gibt es nicht das Idealrezept. Sehr wohl haben wir jedoch ein demographisches und ökonomisches Problem einer zu hohen Arbeitslosigkeit. Mit der geplanten Rentenreform haben wir eine Lösung gefunden, die am besten die Probleme in den Griff bekommt."
[Katrin Göring-Eckardt, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, BT-Forum "Ohne Reform ist das Rentensystem nicht zukunftsfest"]

Problem erkannt, aber ...?
Politik für die Zukunft muß sich ausrichten an der Grundsatzfrage, ob es beim derzeitigen gesellschaftlichen Wandel die gleichen Probleme gibt wie bei der Industriellen Revolution.
Wenn Industrie und Wirtschaft von den Arbeitnehmern "Flexibilität" fordert, so impliziert das förmlich die Frage: Wie sicher sind die Arbeitsplätze heute? Wie sicher ist die Existenz der Arbeitnehmer?

Einigkeit besteht bei den Politikern aller Fraktionen offensichtlich darin, daß eine einzige Ausbildung heutzutage nicht genügt, um auf dem (europäischen) Arbeitsmarkt bestehen zu können ...
Nicht zuletzt mit Blick auf die in allen Ländern Europas existierende Massenarbeitslosigkeit ist es zwingend, in jenem Umstand einen Indikator dafür zu sehen, daß große Teile der Arbeitnehmer -allein schon für die Zeit bis zum Rentenalter - einer äußerst ungewissen Zukunft entgegenblicken.

Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung

Die demographische Entwicklung kam keineswegs überraschend. Im Todesjahr Otto von Bismarcks, also im Jahr 1898, hielt der englische Naturwissenschaftler Sir William Crookes in Bristol einen damals vielbeachteten Vortrag zum "Weizenproblem": Er warnte vor drohenden Hungerkatastrophen und zeigte als Gründe dafür auf, daß einerseits aufgrund der Bodenerschöpfung die Ernteerträge zurückgingen und daß demgegenüber andererseits die (abendländische) Bevölkerung zu stark anwachse (10 und mehr Kinder pro Familie).
Infolge der (auf eben diese Alterspyramide abstellenden) Sozialgesetzgebung war zunächst ein langsames Umdenken in der Bevölkerung zu beobachten. Nach der Einführung der oralen Kontrazeptiva (Pincus, 1955; Stichwort: "Pillenknick") kann man heute die Ein-Kind-Familie als Standard bezeichnen.
(Haben da Herr Blüm und seine Kollegen etwa eine Entwicklung verschlafen?!)

Eine an diesem Standard orientierte (freiwillige) Fertilitätskontrolle ist mit Blick auf die Weltbevölkerung (Stichwort: "Bevölkerungsexplosion") ökologisch ein absolutes Muß, eines der zu lösenden globalen Probleme. Dies kann naturwissenschaftlich belegt werden:
Gibt man wenige Mikroorganismen in eine Nährlösung (abgeschlossenes System), so vermehren sich diese Kleinstlebewesen angesichts der im Überfluß vorhandenen Nahrung zunächst explosionsartig. Dieser Zeitraum wird in der Mikrobiologie als "Wachstumsphase" bezeichnet. Es folgt ein Zeitabschnitt, in dem annähernd die gleiche Zahl von Mikroorganismen abstirbt wie neue nachwachsen, die sogenannte "Gleichgewichtsphase". Schließlich folgt - einerseits aufgrund von Nahrungsmangel und andererseits infolge der schlechteren Lebensbedingungen durch die "Abfall"-Anhäufung - die "Absterbephase".

Vgl. dazu (Quelle der Grafiken):
E.G.Beck: Biokurs 2007 - Klasse 11; Kapitel 2. Ökologie
[www.biokurs.de]

http://www.biokurs.de/skripten/bilder/Weltb.jpg




http://www.biokurs.de/skripten/bilder/wachstu1.jpg

Die vorstehend kurz umrissenen wissenschaftlichen Erkenntnisse sind auf den Menschen und sein biologisches System, den Planeten Erde, durchaus übertragbar (vgl. nur die Veröffentlichungen des Club of Rome).

Die demographische Entwicklung war und ist mithin notwendig und unter dem o. a. ökologischen Aspekt nur als positiv zu bewerten. Die Verschiebung in der Altersverteilung ist nicht schlechthin "das Problem", denn: gäbe es den "Pillenknick" nicht, wir hätten in Deutschland X Millionen Arbeitslose mehr!
Die in Europa seit mehr als zehn Jahren zu verzeichnende Massenarbeitslosigkeit ist zweifellos eine Folge der rasanten Entwicklung in der Computertechnologie, eine Folge der Automatisierung und Rationalisierung von Arbeitsprozessen , eine Begleiterscheinung der zweiten industriellen Revolution.

Die führenden Köpfe in Industrie und Wirtschaft sollten zeigen, daß sie über ein fundiertes historisches Wissen verfügen und auch über genügend Weitsicht, um ihren Part dazu beizutragen, daß sich jene schlimmen Versäumnisse und Fehler nicht wiederholen, die aus den Geschichtsbüchern von der ersten industriellen Revolution - dem Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft - hinreichend bekannt sind. Stichwort "soziale Frage".

Das Festhalten am Prinzip Gewinnmaximierung - gar zu Lasten einer ausgewogenen Beschäftigungs- und Ausbildungspolitik - dürfte der falsche Weg sein. Das Gejammer, die Lohnnebenkosten seien zu hoch, zeugt eben nicht gerade von Weitsicht.
Niemand wird ernstlich behaupten wollen, die Ausbildungszeiten für Fachkräfte seien in Indien wesentlich kürzer als in Deutschland, und hier gibt es Menschen, die seit Jahren auf Arbeitsuche sind, die von den Arbeitsämtern in den verschiedensten Sparten aus- bzw. weitergebildet wurden ... Offenbar funktionierte die Abstimmung der Arbeitgeber mit den indischen Arbeitsämtern besser. Oder doch einfach nur Lohndumping via Green-Card?

Bezeichnenderweise ist auch in Deutschland wieder die Entwicklung zu beobachten, daß gerade Menschen aus der von Armut betroffenen Schicht der Bevölkerung nur noch DIE eine Chance sehen, im Alter versorgt zu sein: viele Kinder ...

Analyse des gesellschaftlichen Status; Sozialstatistik

Nach dem SGB ist der Bundesregierung jährlich ein Bericht der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) vorzulegen. Für das Jahr 1995 weist jener Bericht der GKV für das Gebiet der westlichen Bundesländer aus:

· 60 Millionen in der GKV Versicherte insgesamt.
Das entspricht annähernd der Gesamtbevölkerung der westlichen Bundesländer.

Davon waren:
· 20 Millionen Rentner,
· 20 Millionen Mitversicherte (Kinder, Ehepartner).
· Die übrigen20 Millionen waren sozialabgabenpflichtige sowie freiwillig Versicherte (z. B.: Studenten, Sozialhilfeempfänger).

6 Millionen der insgesamt 60 Millionen in der GKV Versicherten - das ist jeder zehnte! - waren arm im Sinne des § 61 SGB V (Sozialhilfe- oder Arbeitslosenhilfeempfänger bzw. als Alleinstehende/r Bruttoeinnahmen von weniger als 1652 DM).

Die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten hat beispielsweise nicht dazu geführt, daß mehr Vollzeitstellen geschaffen wurden, im Gegenteil: Der Anteil der sozialabgabenfrei Beschäftigten wurde zu Lasten der Vollzeitbeschäftigung erhöht, wobei sich die Stundenlöhne der Teilzeitbeschäftigten i. d. R. zwischen 10 und 15 DM bewegen. (Fragen Sie doch bitte einmal die Kassiererin im Supermarkt, in der Bäckerei, an der Tankstelle etc.). Ausgehend von 40 Wochenstunden ergibt sich bei einem Stundenlohn von 10 DM und ca. 172 Monatsarbeitsstunden ein Bruttomonatslohn von 1720 DM.

Gemäß der Legaldefinition des § 61 Abs. 2 Nr. 1 SGB V ist arm (ein Härtefall), wer heute (als Alleinstehende/r) über Bruttoeinnahmen von weniger als 1792 DM verfügt. Ein Stundenlohn von 10 DM liegt schlicht und ergreifend unterhalb der Armutsgrenze! Aber auch diesen Stundenlohn kann man noch ungestraft unterbieten, wie auf der Weltausstellung "EXPO 2000" zahlreiche Beschäftigte erfahren mußten.


Es ist fraglich, ob die Rentenreform der richtige Weg ist, den - massiv gestörten - sozialen Frieden wiederherzustellen (Stichwort: "Wohlstandsschere"). Unstreitig ist doch wohl, daß ein privater Rentenversicherer an seiner "Dienstleistung" verdienen will und verdienen wird. Es gibt keine plausible Antwort auf die Frage, warum das, was privat funktionieren soll, vom Staat nicht "machbar ist".
Es muß nachdenklich stimmen, wenn Jugendliche davon überzeugt sind, "man müsse heute im Beruf und in geschäftlichen Dingen skrupellos sein, um im Alter nicht das Nachsehen zu haben".

Ganz sicher: Die Frage, WIE Deutschland den Weg in die Informationsgesellschaft bewältigt, entscheidet über die Zukunftsfähigkeit der Republik und über die "Lebensperspektive" der Bürger. Die soziale Frage!

Zu dem o. a. Beitrag sebstverständlich erwünscht: eine rege Diskussion! smiling smiley

Herzliche Grüße:.
san.draB@web.de

Sandra Burger

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Beitrag vom 11.04.2008 20:07
Re: [BACKUP] Kritik an der Kritik

Kritik an der Kritik (von E.G. Beck)

Die von E.G.Beck bzgl. des anthopogenen Teibhauseffekts vertretene Position teile ich - (in dieser absoluten Form) - nicht bzw. nur bedingt.

E.G.Beck:
Biokurs 2007 - Klasse 11; Kapitel 2. Ökologie
[www.biokurs.de]
[...] ist das so begründete Global-Change-Szenario eine Irrlehre oder wie die Amerikaner sagen: junk science! [...]

Zustimmung gebührt E.G.Beck allerdings für folgendes Statement (Quelle s. o.):

[...] Realistische Ursachen des Klimas und Erdtemperatur:
Faßt man alle derzeit bekannten Fakten (u.a. Geologie, Astronomie) zusammen wird klar, daß die Klimaverhältnisse auf der Erde wesentlich durch die Eigenschaften des Wassers bedingt werden! [...]

Genau das ist der Punkt. An dieser Stelle - lediglich (um mich nicht zu wiederholen) - der Hinweis auf (m)ein Posting im tazdiss-V2:

Unsere "Lebensweise"- Energieverbrauch - Umweltressourcen - Treibhauseffekt
Datum: 09. September 2004 20:15
[forum.mysnip.de]

Die dort (von mir) vertretene Position steht (insoweit absolut) in Einklang mit den Grundannahmen des IPCC:

Die vier Szenariofamilien[76][77] des Fourth Assessment Report des IPCC und die prognostizierte Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur bis 2100
AR4
Wirtschaftsorientiert
(Ökonomisch ausgerichtet)
Umweltorientiert
(Ökologisch ausgerichtet)
Globalisierung
(homogene Welt)
A1
(Hohes Wachstum)
(Gruppen: A1T/A1B/A1Fl)
1,4 - 6,4 ºC
B1
(Globale Nachhaltigkeit)
 
1,1 - 2,9 ºC
Regionalisierung
(heterogene Welt)
A2
(Regionalisierte Wirtschaftsentwicklung)
2,0 - 5,4 ºC
B2
(Regionale Nachhaltigkeit)
1,4 - 3,8 ºC

Vgl. dazu auch die nachstehend verlinkten Diskussionen ...

WIKIPEDIA
Diskussion:Globale Erwärmung/Archiv4
2 Die vier globalen Szenariofamilien
[de.wikipedia.org]
3 Wärmeenergieeintrag?
3.1 Wärmeenergieeintrag (Teil 2): biologisches Gleichgewicht zw. Flora u. Fauna
3.2 Abwärme der Atomkraftwerke
[de.wikipedia.org]

... sowie die in der folgenden Tabelle dargestellten naturwissenschaftlichen Zusammenhänge:

Die Verbrennung von fossilen Energieträgern[5]. Nachstehend die Verbrennung von Kohlenstoff (vgl.: Kohle).


\begin{matrix}Reaktion: \; & C & + & O_2(g) & \rightarrow & CO_2(g)  & \; \; \Delta H^0  = -394 kJ\cdot mol^{-1}\end{matrix}
Mol Kohlenstoff (12,01 g) reagiert mit 1 Mol Sauerstoff (32,00 g) zu 1 Mol Kohlenstoffdioxid (44,01 g)

Aus der obigen Reaktionsgleichung geht hervor (Stöchiömetrie!), dass - zum Beispiel - eine Verringerung der Kohlenstoffdioxid-Emission um 4,4 Gt CO2 (entsprechend 1,2 Gt Kohlenstoff) korrespondiert bzw. gleichbedeutend ist mit einer Reduzierung der aus dem fossilen Energieträger Kohle zur Energieversorgung gewonnenen Energiemenge um einen Anteil in Höhe von 39,3 Exajoule (vgl. Hess'scher Wärmesatz).
Bei Verwendung von Kohlenwasserstoffen als Energieträger hingegen entsteht ungefähr die Hälfte der Energieausbeute durch die Bildung von Wasser (Standard-Bildungsenthalpie pro Molekül H2O = - 286 kJ pro Mol); beispielsweise bei Erdgas (Methan: Standardverbrennungsenthalpie = - 891 kJ pro Mol) rund 55,78 Prozent der Gesamt-Energieausbeute.

Fußnote 5:
Standardreaktionsenthalpie für die Verbrennung von Erdgas (Methan) und diversen Erdölprodukten
vgl. S. 3 ff. in: Herbert Mayr: Vorlesung 9: Erdölverarbeitung, LMU München: Physikalisch-organische Chemie, 2006 (PDF-Datei; ca. 190 kB)
[www.cup.uni-muenchen.de]


Liebe Grüße:.
san.draB@web.de



5 mal bearbeitet. Zuletzt durch Sandra Burger am 11.04.08 20:45.

ex nihilo

antiantiimperialist

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Beitrag vom 11.04.2008 22:05
natur als politik

Eine an diesem Standard orientierte (freiwillige) Fertilitätskontrolle ist mit Blick auf die Weltbevölkerung (Stichwort: "Bevölkerungsexplosion") ökologisch ein absolutes Muß, eines der zu lösenden globalen Probleme. Dies kann naturwissenschaftlich belegt werden:
Gibt man wenige Mikroorganismen in eine Nährlösung ...

natur als politik - war da nicht mal was?


Offenbar funktionierte die Abstimmung der Arbeitgeber mit den indischen Arbeitsämtern besser.

achso. kein herz für inder. die haben es ja auch nicht so mit der fertilitätskontrolle...

na denn prost! und mit volldampf voraus in die absterbephase.

ach ja: sind gorillas nicht doch die besseren menschen?



>anchors aweigh<

Sandra Burger

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Beitrag vom 27.09.2008 19:22
Von der neoliberalen Globalisierung zur Weltwirtschaftskrise II

Hallo @ all,

vor einigen Monaten warf ich die Frage auf, in welcher Weise sich die von Politik und Wirtschaft AKTUELL gewählten "Optionen" auf die zukünftige Entwicklung unserer Demokratie auswirken werden.


"Sinn"gemäß: die neoliberale "Machtergreifung"?
geschrieben von: Sandra Burger - Datum: 05.04.2008 23:14
[rolofs.net]

Ich persönlich befürchte, dass sich (in absehbarer Zeit) die Weimarer Katastrophe wiederholen könnte. - Ähnlich sind wohl auch die mahnenden Worte in den Publikationen von – (um nur einige Namen zu nennen) beispielsweise - Christoph Butterwegge und Jürgen Borchert zu interpretieren.

Im Grunde genommen sind - (wie ein Blick in die hier noch einmal verlinkte "Schematische Übersicht" zeigt) - inzwischen so ziemlich alle "politischen Zutaten" beisammen (das ist bis ins Detail - Punkt für Punkt - nachzuweisen), die schon seinerzeit bekanntlich zum Niedergang der Weimarer Demokratie führten:


3.2 SCHAUBILD: Schematische Übersicht: 1. bis 3. industrielle Revolution
THEMA: "Globalisierung und Soziale Frage" (syn.: "Soziale Frage der Dritten industriellen Revolution")
[rolofs.net]

Joachim Jahnke bezeichnet die aktuellen "Börsenturbulenzen" als zweite Weltwirtschaftskrise:

Von der neoliberalen Globalisierung zur Weltwirtschaftskrise II
Eine komplette Analyse von Entstehungsgründen und Ausmaß der globalen Krise mit 45 Schaubildern
[www.jjahnke.net]

Überall stimmen in diesen Tagen die Politiker ihre ohnmächtigen Bürger auf "Blut und Tränen" ein, auf den Kampf um das Überleben ihrer Volkswirtschaften, wie man sie kennt, auf mehr Arbeitslosigkeit und weniger Kaufkraft.
Diese Analyse soll die ganze Komplexität einer Entwicklung zeigen, die in der Krise enden mußte. Sie will damit zugleich dokumentieren, wie wenig das mit den derzeitigen Reformversuchen beabsichtigte Drehen an einigen wenigen der vielen Einstellschrauben nützt. Damit wird nur die nächste Krise vorbereitet. Auch große Worte helfen nicht weiter, wie wenn der deutsche Finanzminister meint: "Niemand sollte sich täuschen: Die Welt wird nicht wieder so werden wie vor dieser Krise." Da wartet man auf die Taten. Vor allem wartet man auch auf das Eingeständnis, daß deutsche Politiker mit an der neoliberalen Schraube gedreht haben und nicht einfach nur auf die USA zeigen können. [...]


Die skurrile Idee des sich selbst regulierenden Marktes
[www.flegel-g.de]
Der Markt regelt alles, ist das Motto des Neoliberalismus, der Markt ist selbstregulierend. Was für ein Nonsens! Der Markt wird seit langer Zeit von einigen wenigen Familien kontrolliert und manipuliert. [...]


Herzliche Grüße:.
san.draB@web.de





PS @ Karl:

Bei der Suche nach einem Artikel von Arno Luik (Interwiev mit Friedhelm Hengsbach)

19. November 2003
Friedhelm Hengsbach zur rot-grünen „Reformpolitik“
„Schröder will den Starken gefallen, deshalb tritt er nach unten!“
[www.stern.de]
[www.weissenseerblaetter.de]

fand ich die folgende interessante Publikation:

Globalisierung. Friedrich Engels und Karl Marx über den Weltmarkt
von Eike Kopf - Weißenser Blätter (Heft 3 / 2006)
[www.weissenseerblaetter.de]
[...] Es ist dahin gekommen, daß eine neue Maschine, die heute in England erfunden wird, binnen einem Jahre Millionen von Arbeitern in China außer Brot setzt. Auf diese Weise hat die große Industrie alle Völker der Erde miteinander in Verbindung gesetzt, alle kleinen Lokalmärkte zum Weltmarkt zusammengeworfen, überall die Zivilisation und den Fortschritt vorbereitet und es dahin gebracht, daß alles, was in den zivilisierten Ländern geschieht, auf alle anderen Länder zurückwirken muß. [...]



2 mal bearbeitet. Zuletzt durch Sandra Burger am 27.09.08 19:46.

Karl

subversiv

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Beitrag vom 03.10.2008 15:50
Re: Von der neoliberalen Globalisierung zur Weltwirtschaftskrise II


Sandra Burger:
PS @ Karl:
Bei der Suche nach einem Artikel von Arno Luik (Interwiev mit Friedhelm Hengsbach)

19. November 2003 Friedhelm Hengsbach zur rot-grünen „Reformpolitik“ „Schröder will den Starken gefallen, deshalb tritt er nach unten!“
[www.stern.de]
[www.weissenseerblaetter.de]

fand ich die folgende interessante Publikation:

Globalisierung.
Friedrich Engels und Karl Marx über den Weltmarkt

von Eike Kopf - Weißenser Blätter (Heft 3 /
2006)
[www.weissenseerblaetter.de]

[...] Es ist dahin gekommen, daß eine neue Maschine, die heute in England erfunden wird, binnen einem Jahre Millionen von Arbeitern in China außer Brot setzt. Auf diese Weise hat die große Industrie alle Völker der Erde miteinander in Verbindung gesetzt, alle kleinen Lokalmärkte zum Weltmarkt zusammengeworfen, überall die Zivilisation und den Fortschritt vorbereitet und es dahin gebracht, daß alles, was in den zivilisierten Ländern geschieht, auf alle anderen Länder zurückwirken muß. [...]

Danke Sandra! Ja, das ist zu genial, was diese beiden Analytiker da geschrieben haben.

Es ist so klar und vorausschauend, dass ich es noch um eine berühmte Passage ergänzen will:

Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren. Unveränderte Beibehaltung der alten Produktionsweise war dagegen die erste Existenzbedingung aller früheren industriellen Klassen. Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisepoche vor allen anderen aus. Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen.
Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall muß sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen.

Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden. An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche die Produkte der entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander. Und wie in der materiellen, so auch in der geistigen Produktion. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut. Die nationale Einseitigkeit und Beschränktheit wird mehr und mehr unmöglich, und aus den vielen nationalen und lokalen Literaturen bildet sich eine Weltliteratur.

Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterten Kommunikationen alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation. Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie, mit der sie alle chinesischen Mauern in den Grund schießt, mit der sie den hartnäckigsten Fremdenhaß der Barbaren zur Kapitulation zwingt. Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeoisie sich anzueignen, wenn sie nicht zugrunde gehen wollen; sie zwingt sie, die sogenannte Zivilisation bei sich selbst einzuführen, d. h. Bourgeois zu werden. Mit einem Wort, sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde.

Die Bourgeoisie hat das Land der Herrschaft der Stadt unterworfen. Sie hat enorme Städte geschaffen, sie hat die Zahl der städtischen Bevölkerung gegenüber der ländlichen in hohem Grade vermehrt und so einen bedeutenden Teil der Bevölkerung dem Idiotismus des Landlebens entrissen. Wie sie das Land von der Stadt, hat sie die barbarischen und halbbarbarischen Länder von den zivilisierten, die Bauernvölker von den Bourgeoisvölkern, den Orient vom Okzident abhängig gemacht.

Die Bourgeoisie hebt mehr und mehr die Zersplitterung der Produktionsmittel, des Besitzes und der Bevölkerung auf. Sie hat die Bevölkerung agglomeriert, die Produktionsmittel zentralisiert und das Eigentum in wenigen Händen konzentriert. Die notwendige Folge hiervon war die politische Zentralisation. Unabhängige, fast nur verbündete Provinzen mit verschiedenen Interessen, Gesetzen, Regierungen und Zöllen wurden zusammengedrängt in eine Nation, eine Regierung, ein Gesetz, ein nationales Klasseninteresse, eine Douanenlinie.


[www.vulture-bookz.de]

So weit die Altmeister über die Globalisierung.

Allerdings, so mahnen sie auch: Selbst diese Kapitalflucht über den ganzen Erdball wird die ewige Krisenhaftigkeit des Kapitalismus nicht abschaffen.

Und so ist es auch heute.

Weimarer Verhältnisse? Die bürgerlichen Machthaber, die Eigentümer der großen Produktionsmittel und staatlichen Destruktionsmittel gehen heute bislang anders mit den ökonomischen Verwerfungen um als damals in der Weimarer Republik als einige Kapitalbonzen Hitler an die Macht hievten, um die soziale und auf Revolution drängende Arbeiterbewegung zu enthaupten.

Aber dennoch will ich gar nicht behaupten, dass die deutsche Bourgeoisie sich in irgend einer Weise gebessert hätte. Nein, sie ist in keiner Weise geläutert.

Und ich will auch nicht ausschließen, dass die Weimarer Option in nächster Zukunft so völlig abwegig ist.

Es ist denkbar, dass - im Zuge unentwegter und entschlossener Massenproteste etwa aufgrund Energiemangels etc. - in einschlägigen Nacht- und Nebelaktionen wieder die faschistischen Killer losgehetzt werden, um die Kapitaldiktatur zu retten ...-

Karl

Wenn der Mensch von den Umständen gebildet wird, so muß man die Umstände menschlich bilden.

Sandra Burger

registriert am 13.03.2005



Beiträge: 696


Beitrag vom 29.10.2009 21:36
Krake Bertelsmann - aggressive geistige Umerziehung


Karl:
[...] Begriffe, die schwammig sind, vernebelnd oder gar widersinnig, eignen sich zur Fälschung der wirklichen Zustände.
Darum geht es der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft". [...]


Hallo Karl,

kennst Du den folgenden Aufsatz von Helga Spindler?


Prof. Dr. Helga Spindler:
War die Hartz-Reform auch ein Bertelsmann Projekt?
[www.nachdenkseiten.de]
(Nachdenkseiten, 23. September 2009)

Ganz am Ende auf der Seite ein (fast unscheinbarer) Hinweis
auf die folgende Publikation von Prof. Spindler zur "Wertediskussion":

Prof. Dr. Helga Spindler:
»Der sozialpolitische Konsens wird aufgekündigt« (PDF-Datei)
Die Steuerungstechniken des aktivierenden Sozialstaats und die Durchsetzung sozialer Rechte
[psychiatrie.de]

I. Die verschiedenen Ebenen der neuen Steuerung des Sozialen
[...] Diese Ebenen umfassen
• 1. eine neue Selbststeuerung des Individuums durch Verkürzen sozialer Geldleistungen, schlicht durch die Drohung mit Verelendung;
• 2. eine neue Außensteuerung des Individuums durch Abbau von Rechten gegenüber der Behörde, Abbau von verlässlichen Ansprüchen auf Existenzsicherung, vor allem aber auch von Gestaltungsrechten, und Aufbau einer behördlich überwachten Kontrolle der Lebensführung;
• 3. eine neue Steuerung der sozialen Dienstleister durch zu enge Vorgaben, fragwürdige Wettbewerbsregeln und falsche Erfolgskriterien;
• 4. eine neue Steuerung des Arbeitslebens durch ständige Unsicherheiten und entgrenzte Verfügbarkeit in prekären Arbeitsverhältnissen aller Art bis hin zu öffentlichen Arbeitsdiensten.

Letztlich begründen sich die Veränderungen auf den ersten drei Ebenen (im sozialen Leistungsbereich) darin, die notwendige Haltungsänderung und Umerziehung auf der vierten Ebene zu erreichen, die man auch »Flexibilität« oder »Deregulierung« nennt. Erschaffen werden soll der sich ständig selbst auf seine Verwertung ausrichtende Arbeitsnomade. Soziale und gar Arbeitsrechte, der Wunsch nach Mitgestaltung der Arbeitsbedingungen und kalkulierbaren Lebensverhältnissen für den Einzelnen sind in diesem System eher störend.
[...]

II. Der Wertewandel oder Wer hat Angst vor dem kleinen Mann?
[...] Das Problem ist, dass versucht wird, das Denken fundamental zu ändern, dass der sozialpolitische Konsens aufgekündigt, ehemalige Werte in ihr Gegenteil verkehrt werden, dass eine recht aggressive geistige Umerziehung begleitend stattfindet, und wer sich darauf einlässt, der landet auf einer Rutschbahn, auf einer schiefen Ebene im Denken (einer auch »ethisch abschüssigen Bahn« [Soltauer Impulse]), auf der man sich mangels Orientierungspunkten nicht mehr halten kann – oder nur noch mit so großem Kraftaufwand, dass man dem kaum mehr Widerstand entgegensetzen kann. Wenn man es nicht schafft, diesen Denkmodellen entgegenzutreten, kann man dieser Entwicklung nur noch hilflos oder resigniert zusehen oder wird Mitspieler im neuen Mainstream.

Es geht dieser neuen Denkrichtung gar nicht schlicht um neoliberale Zerstörung von Solidarität, sozialer Gerechtigkeit und sozialen Hilfen, sondern sie definiert sie einfach um, entwindet sie dem bisherigen Verständnis und macht sich bisherige Instrumentarien und Methoden nutzbar.
[...]

[...] »Was sich entwickelt, ist ein autoritärer Fürsorgestaat mit sozialtechnokratischer Grundstruktur« [...]

III. Das sinkende Existenzminimum
IV. Die Umorientierung der Dienstleister
V. Die Entrechtung der Betroffenen


Herzliche Grüße:.
san.draB@web.de


PS:
Wie weit dieses (neoliberale) "Umdefinieren" (schon) gediehen ist,
das offenbart - im historischen Kontext (!) - die sogenannte Mindestlohndebatte:

Soziale Frage im 21. Jahrhundert
[wiki.zum.de]



2 mal bearbeitet. Zuletzt durch Sandra Burger am 29.10.09 21:38.

MarioZschiesche

registriert am 08.04.2005



Beiträge: 1284


Beitrag vom 09.12.2009 13:08
Re: Krake Bertelsmann - aggressive geistige Umerziehung

Hallo, Sandra et. al.

hier gehört dieser kluge Beitrag hin:
www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/kommentarseite/1/neuer-buerokratie-horror-fuer-arbeitslose/kommentare/1/1/

Sandra Burger

registriert am 13.03.2005



Beiträge: 696


Beitrag vom 09.12.2009 22:53
Leserkommentare zu "Neuer Bürokratie-Horror für Arbeitslose"


MarioZschiesche:
Hallo, Sandra et. al.
hier gehört dieser kluge Beitrag hin:
www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/kommentarseite/1/neuer-buerokratie-horror-fuer-arbeitslose/kommentare/1/1/

Wow! - 35 Kommentare ...

Bemerkenswert "nüchtern" (i.S.v.: sachlich) sind die Ausführungen von Ludwig Paul Häußner zur sozial- und arbeitsmarktpolitischen Lage:

Neuer Bürokratie-Horror für Arbeitslose
[www.taz.de]

Leserkommentare (35 Kommentare)
[...]
08.12.2009 09:38 Uhr:
Von Dr. Ludwig Paul Häußner:

Zeit für ein bedingungsloses Grundeinkommen
[...]


Am besten gefallen hat mir allerdings der - sarkastische - Kommentar vom 07.12.2009 16:12 Uhr:

[...] Schau an ... 6,7 Mio Leistungsempfänger bei 3,2 Mio. Arbeitslosen.


Liebe Grüße:.
san.draB@web.de

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