Warum wir nicht unsterblich werden wollen

"Die taz ist unsterblich. Ich kenne das Gefühl". Dieser schöne Satz stammt von Harald Schmidt, und nichts täte ich lieber, als dem großartigen Entertainer zu glauben. Denn für die taz, die seit ihrer Gründung ums Überleben kämpft, klingt Unsterblichkeit sehr verlockend. Aber die Verhältnisse, die sind nicht so. Sie lassen an dieser Verheißung eher Zweifel aufkommen. Und das macht die Situation schwieriger - wenn auch nicht gänzlich unlösbar. Schließlich wollen wir ja nicht wirklich unsterblich werden, sondern nur täglich neu beweisen können, dass die taz unverzichtbar ist. Dass der individuelle und politische Nutzen, den sie stiftet, ihren Preis bei weitem übersteigt. Dass taz einfach sein muss, damit die deutsche Medienlandschaft nicht dramatisch ärmer wird. Wir haben Glück, dass viele so denken. LeserInnen und GenossInnen, die Abonnements schalten und Anteile zeichnen. KollegInnen anderer Medien, die uns zur Seite stehen, Prominente, die sich öffentlich zur taz bekennen. Und nicht zuletzt die MitarbeiterInnen der Zeitung selbst, die die Zeitung zu dem machen, was sie ist. Nur durch diese vielfältige Unterstützung lässt sich erklären, warum die chronisch klamme taz immer wieder enorme Anstrengungen unternehmen kann, das Blatt zu verbessern und zukunftstauglich zu machen.

Die Blatt- und Layoutreform 2000, die eine neue Philosophie in der Zeitungslandschaft etablierte und das Erscheinungsbild der taz komplett veränderte, ist ein Beweis dafür. Dabei sind wir von der Überzeugung ausgegangen, dass taz-LeserInnen keinen Wert auf Nachrichten-Fast-Food legen. Dass sie über alles Bescheid wissen wollen, aber besonders gründlich über das richtig Wichtige. Dass es ihnen um Wissen geht und nicht nur um Information. Auf dieser Grundlage haben wir ein Konzept entwickelt, dass die wichtigsten und interessantesten Ereignisse des Tages deutlich in den Mittelpunkt rückt und auf Schwerpunktseiten präsentiert. Die scharfe Analyse, die ausführliche Recherche, die Hintergrundinformation und die kompetente Einschätzung werden an dieser Stelle geboten. Dass dies mit dem taz-spezifischen Blick auf die Verhältnisse, angereichert mit der taz-eigenen Ironie daherkommt, versteht sich von selbst. Flankiert werden die Schwerpunktseiten durch kurze, knappe Nachrichten und die spezifische Berichterstattung auf den Ressortseiten. Ein in sich stimmiges Konzept, fanden wir, dass durch eine eigene taz-Schrift und ein völlig neues Layout in die entsprechende gestalterische Form gebracht wurde.

Die darauffolgende Leserumfrage hat uns Recht gegeben. Mit regelrecht sozialistischen Prozentzahlen befürworten die AbonnentInnen und Käufer der taz die neuen Schwerpunktseiten (92 %) und das neue Gesamtkonzept (88 %). Ein Erfolg. Und wir sind stolz darauf. Die Unsterblichkeit hat uns dieser Erfolg allerdings noch nicht gebracht. Denn eine Verbesserung der Zeitung allein kann die angespannte Finanzsituation nicht ändern. Dazu braucht es mehr: weitere Abonnements, neue Anzeigenkunden, aber auch noch viel mehr Genossinnen und Genossen. Sie sind es, die uns unsere publizistische Unabhängigkeit, unsere Existenz jenseits eines Großverlags, sichern. Deshalb: Unterstützen auch Sie die taz. Werden Sie Genossin, werden Sie Genosse! Es könnte der Beginn einer großen Freundschaft sein - oder einer unsterblichen Liebe.

Bascha Mika, Chefredakteurin